Blitz und Donner: Wer haftet, wenn das Wetter verrückt spielt

 Auch in unseren Breiten registrieren die Meteorologen zunehmend extreme Wettererscheinungen wie Starkregen und orkanartige Sturmböen. Die dabei entstehenden Schäden sind für uns ärgerlich und kostspielig. Höchst problematisch wird es allerdings, wenn die Nachbarn oder Anwohner betroffen sind.

Wir erklären die wichtigsten Rechtsgrundlagen, mit denen Sie argumentieren können. 


Durch Unwetter gelangt Geröll, Erde oder Wasser über die Grundstücksgrenze

Erheblich ist, ob der Schaden ausschließlich eine Folge des Unwetters ist, oder ob zum Beispiel Bauarbeiten die Ursache waren. Im ers­ten Fall haftet der Grundstückseigentümer nur, wenn er durch eigenes Zutun die Gefahr erhöht hat (zum Beispiel durch Veränderung eines Hanges oder Bachlaufes). Im zweiten Fall haftet der Nachbar voll.

Wenn Wasser von einem höheren auf ein niedriger gelegenes Grundstück abfließt, muss das als Naturgegebenheit in der Regel hin­genommen werden. Es ist jedoch grundsätzlich nicht erlaubt, einen bestehenden Wildwasserabfluss auf das Nachbargrundstück zu verstärken oder sonst den Wasserabfluss nachteilig zu verändern. Siehe aus der neueren Rechtsprechung u diesem Themenkreis das Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 11. April 2007, Aktenzeichen: 6 U 141/05. Der Besitzer des niedriger gelegenen Grundstückes darf auch bei unverändert („wild“) abfließendem Wasser gegen den Wasserfluss geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen. Dadurch darf es allerdings nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Oberliegergrundstückes oder anderer Nachbarn kommen. Regen­wasser (auch Traufwasser), das von Gebäuden eines Grundstückes abgeleitet wird, muss auf dem eigenen Grund und Boden gesammelt und entsorgt werden – wie in der Regel die Nachbarrechtsgesetze und die Bauordnungen der Länder regeln, siehe zum Beispiel § 1 Nachbarrechtsgesetz Baden-Württemberg, § 26 Nachbarrechtsgesetz Schleswig-Holstein, § 27 NRG Nordrhein-Westfalen.  Zum besseren Verständnis der Begriffe: Unter Traufwasser wird Niederschlagswasser (Regen und Schneewasser) verstanden, das nicht unmittelbar auf den Boden, sondern zunächst auf eine bauliche Anlage fällt. Als wild abfließendes Wasser wird der Niederschlag bezeichnet, der unmittelbar auf den Boden auftrifft. Sie müssen grundsätzlich nicht dulden, dass Sie von Wasser durch irgendwelche Aktionen Ihres Nachbarn beeinträchtigt werden, zum Beispiel durch abfließendes Gießwasser, Autowaschwasser oder Wasser aus einem Gartenschlauch. In solchen Fällen steht Ihnen ein Unterlassungs- und Abwehranspruch nach § 1004 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu. Das Wasserrecht gehört übrigens zu den Gebieten, die auch deshalb schwieriger sind, weil es sowohl (nachbarschützende und nicht-nachbarschützende) öffentlich-rechtliche als auch privatrechtliche Regelungen gibt und diese Regelungen teilweise ineinander greifen.

Durch Sturm umgestürzte Bäume

Nicht immer, wenn ein Baum auf Nachbars Garten stürzt, oder wenn sonst ein Sturm einen Schaden verursacht, kann Schadensersatz verlangt werden. Grundsätzlich muss ein Nachbar nur für Schäden aufkommen, die er verursacht hat und für die er verantwortlich ist. Dazu reicht aber die bloße Stellung als Eigentümer eines umgestürzten Baumes noch nicht aus. Schäden, die ein Naturereignis wie ein Sturm auslöst, sind dem Eigentümer eines Baumes nur dann zuzurechnen, wenn er sie durch sein Verhalten erst ermöglicht oder durch pflichtwidriges Unterlassen herbeigeführt hat. Grundsätzlich genügt aber nicht, dass der Eigentümer Bäume gepflanzt und aufgezogen hat: Solange die Bäume im Garten gegen die normalen Einwirkungen der Naturkräfte widerstandsfähig sind, haftet er nicht. Aber der Grundstückseigentümer muss den Baumbestand regelmäßig auf Krankheit und Überalterung kontrollieren. Nur wenn ein Baum erkennbar krank oder schlecht gepflanzt ist und trotzdem nicht entfernt wird, muss der Eigentümer für einen Sturmschaden aufkommen. Der Maßstab für die normalen Einwirkungen der Natur ist nicht an Jahrhundertstürmen zu messen (Windstärke neun bis zehn). Solche Naturereignisse müssen nicht eingeplant werden. Der Eigentümer der Bäume muss nicht haften, wenn seine Bäume nur aufgrund der besonderen Stärke einer solchen „Naturkatastrophe“ nicht stehen bleiben.

 

Verkehrssicherungspflicht für Bäume

Die Verkehrssicherungspflicht verlangt, dass der Eigentümer die Bäume auf seinem Grundstück in angemessenen Zeitabständen auf Krankheit und Überalterung überprüft. Grundsätzlich genügt dabei eine äußere Zustands- und Gesundheitsprüfung. Sie kann vom Boden erfolgen, ohne dass Leitern oder Hubbühnen verwendet werden müssen. Nur wenn der Baum Defekte oder äußerlich erkennbare Krankheiten zeigt, muss er durch Fachleute weitergehend untersucht werden. Wird dann nichts unternommen, wird also der Baum nicht gefällt oder zumindest die kranken Äste entfernt, wird grundsätzlich gegen die Verkehrssicherungspflicht verstoßen. Dies gilt insbesondere, wenn der Baum bereits erkennbar durch vorherige Witterungseinflüsse – wie Sturm oder Blitzschlag – geschädigt ist.

 

Gegen Sturmschäden absichern

Um Sturmschäden wirtschaftlich abzufangen, kann man eine Versicherung abschließen. Als Geschädigter laufen Sie bei Sturmschäden durch Bäume Gefahr, dass Sie, wenn Sie nicht versichert sind, leer ausgehen. Andererseits besteht für von Ihrem Grundstück ausgehende Sturmschäden Dritter ein Haftungsrisiko.

Sturmschäden an Gebäuden, Hausrat und Autos werden von den meisten Versicherungsgesellschaften erst ab Windstärke 8 ersetzt. Einzelne Versicherungen bieten eine Versicherungsdeckung erst ab Windstärke 9. Sturmschäden an parkenden Autos werden grundsätzlich von der eigenen Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung des Fahrzeughalters ersetzt. Sturmschäden am eigenen Gebäude zahlt grundsätzlich die Wohn- und Geschäftsgebäudeversicherung. Dies gilt regelmäßig auch für Folgeschäden, etwa für Wasserschäden durch eingedrungenes Regenwasser und Glasbruchschäden.

Für den Fall, dass ein Sturm Glas eindrückt, ist eine zusätzliche Glasbruchversicherung notwendig, um eine Deckung des Schadens zu erreichen. Ob neben den Schäden am Haus auch weitere Grundstückseinrichtungen (zum Beispiel Zäune) von der Gebäudeversicherung erfasst sind, hängt vom einzelnen Versicherungsvertrag ab. Die meisten Versicherer verlangen für die Deckung dieser Schäden besondere Vereinbarungen. Bei Schäden an Möbeln kommt grundsätzlich die Hausratversicherung auf.

Wird man selbst für Sturmschäden ersatzpflichtig, so muss meistens die eigene Haftpflichtversicherung eintreten. Dabei ist zwischen einer Privathaftpflichtversicherung und einer Grundbesitzerhaftpflichtversicherung zu unterscheiden. Bei einem ausschließlich selbst genutzten Einfamilienhaus deckt die private Haftpflichtver­sicherung grundsätzlich auch Schäden ab, die Dritten aus dem Zustand des Gebäudes oder des Grundstücks entstehen. Bei vermieteten Ein- und Mehrfamilienhäusern muss eine separate Grundbesitzerhaftpflichtversicherung zum Versicherungsschutz abgeschlossen werden.

WICHTIGER TIPP: Sturmschäden sollten Sie umgehend dem Versicherer melden. Bevor die Aufräumarbeiten beginnen, sollten zur Beweissicherung Fotos vom Schaden gemacht werden. Probleme können wegen Mitverschuldens entstehen; zum Beispiel, wenn ein versehentlich offen gelassenes Fenster den Schaden verursacht hat.

FOTO: Pexels.com 

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